Gut gebrüllt, geschätztes Initiativkomitee der Nachtruhe-Initiative

Eine laute Minderheit prägt derzeit die Diskussion im Kantonsrat um die Nachtruhe am Flughafen Zürich – stärker, als es die breite Bevölkerung sieht.

Die Schweizer Luftfahrt geniesst landesweit wie auch in der Flughafenregion Zürich ein deutlich höheres Ansehen, als es die bisherige Debatte vermuten lässt. Darauf weisen Ergebnisse einer repräsentativen Studie hin, die aviationsuisse am 4. Mai vorgestellt hat. Das Forschungsinstitut Sotomo befragte dafür die Bevölkerung in der ganzen Schweiz sowie Anwohnerinnen und Anwohner der Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf.

Drei Ergebnisse dieser Studie sind für unsere weitere politische Debatte besonders relevant:

Erstens: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt ist breit anerkannt. Vier Fünftel der Bevölkerung betrachten die Luftfahrt als wichtigen Faktor für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Besonders hervorgehoben wird die Rolle des interkontinentalen Drehkreuzes Zürich: 79 Prozent der Befragten messen ihm eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung bei.

Zweitens: Eine klare Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, für klimafreundliche Innovationen im Luftverkehr einen kleinen bis moderaten Aufpreis auf Flugtickets zu bezahlen. Die finanziellen Mittel einer Abgabe soll gemäss den Befragten zurück in die Aviatik fliessen und nicht anderweitig die Staatskasse aufbessern. Die Investitionsprioritäten liegen vor allem bei nachhaltigen Treibstoffen und Innovationen in der Luftfahrt, beispielsweise effizienteren Flugzeugen.

Drittens: Der Fluglärm spielt für eine Mehrheit der Flughafenanwohnenden eine untergeordnete Rolle. Zwar wird die Lärmbelastung in den Flughafenregionen stärker wahrgenommen als im Landesdurchschnitt, doch ausgerechnet in der Region Zürich ist die empfundene Belastung am geringsten von allen drei Flughafenregionen. Nur rund ein Drittel der Anwohnenden fühlt sich durch Fluglärm gestört.

Auffällig ist zudem: Die Bewertung der Nachtflugregelungen folgt weniger der tatsächlichen Betroffenheit als vielmehr parteipolitischen Linien. Während links-grüne Wählende die bestehenden Regelungen als Vorteil beurteilen, werden sie von rechtsbürgerlichen Kreisen eher als Nachteil gesehen.

In der Flughafenregion Zürich selbst empfinden 49 Prozent der Anwohnenden die heutige Nachtruhe als genau richtig. Jeweils rund ein Viertel stuft sie als zu locker beziehungsweise als zu strikt ein. Von einem klaren Handlungsauftrag für eine Verschärfung kann also keine Rede sein.

Was bedeutet das für uns Kantonsrätinnen und Kantonsräte? In der ersten Lesung der Nachtruhe-Initiative entstand der Eindruck, Fluglärm sei das dominante Problem der Flughafenregion. Diese Umfrage zeichnet ein anderes Bild.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Mitte und der GLP: Ihre Wählerschaft sieht die Luftfahrt mehrheitlich als Chance für die Schweiz – mit Zustimmungswerten von 71 beziehungsweise 67 Prozent. Nehmen Sie diese Ergebnisse ernst. Gehen Sie vor der zweiten Lesung nochmals über die Bücher und vermeiden Sie Entscheidungen, die weder von der Bevölkerung der Flughafenregion noch von Ihrer eigenen Basis getragen werden.

Um mit einem angepassten Zitat aus der Luftfahrt zu schliessen: Bitte befolgen Sie die Anweisungen Ihrer Wählerschaft.

Die Fraktionserklärung wird von Sarah Fuchs verlesen.

Kontakt:

  • Sarah Fuchs, Kantonsrätin FDP, Mitglied KEVU, 076 405 29 72
  • Claudio Zihlmann, Kantonsrat, Fraktionspräsident, 079 765 22 55
  • Filippo Leutenegger, Parteipräsident FDP, 079 447 99 07
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