Fraktionserklärung der FDP und SVP: Bildung braucht mehr Qualität – nicht einfach mehr Geld
Geschätzte Frau Kantonsratspräsidentin
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Geschätzte Zuschauende und Medienschaffende
Die Ergebnisse der neuen PISA Studie sind ein Weckruf für den Wissensstandort Schweiz. Denn bei den zentralen Grundkompetenzen entwickeln wir uns seit Jahren in die falsche Richtung.
Im Jahr 2015 erreichten Schweizer Jugendliche bei der PISA-Studie in Mathematik521 Punkte, 2025 sind es noch 499 Punkte. Beim Lesen sank die Punktzahl von 492 auf tiefe 470 Punkte. Die OECD hält fest, dass die neuesten Ergebnisse der Schweiz in Mathematik und Lesen die niedrigsten bislang in der Schweiz beobachteten Werte sind. Notabene bei den höchsten jemals gemessenen Kosten. Es ist wenig tröstlich, wenn gewisse andere Länder noch stärker nachgelassen haben. Unter Blinden ist der Einäugige bekanntlich König. Aber er bleibt einäugig.
Natürlich ist dieser Negativtrend nicht monokausal. Gesellschaftliche Entwicklungen, der Verbrauch von Lebens- und Lernzeit durch Bildschirmzeit, aber auch der steigende Anteil von Kindern aus schwierigen Verhältnissen und ohne Deutschkenntnisse fordern ihren Tribut. Aber das ist nur ein Teil der Erklärung.
Der andere Teil wurde von den Elfenbeintürmen der Bildung hausgemacht. All die pädagogischen Experimente der letzten Jahre haben ihre Ziele nicht erreicht. Die Heilsversprechen, gestützt auf Studien aus der eigenen Bubble, sind brutal gescheitert.
Seien es Simleys bei der Notengebung, überzogene Inklusion, eine Unzahl sonderpädagogischer «Massnahmen», eine Überfrachtung des Lehrplans, selbstgesteuerter Unterricht zulasten Benachteiligter, ein dadurch immer komplizierterer Schulalltag mit immer mehr Schnittstellen, Dokumentationspflichten und Bürokratie: All dies hat den Kindern mehr geschadet als genützt. Hand in Hand stieg die Belastung des Lehrpersonals so weit, dass dieses nun im neuen Lehrpersonalgesetz nach 83 Mio. Franken mehr Geld pro Jahr ruft – für exakt dieselbe Unterrichtsleistung.
Gerade weil Bildung so wichtig ist, können wir es uns aber nicht leisten, hier Geld zu verschwenden. Allein die öffentlichen Ausgaben für die obligatorische Schule sind zwischen 2015 und 2023 von rund 21'000 Franken auf deutlich über 24’000 Franken pro Kind gestiegen – um mehr als 16 Prozent. Die Schweiz gehört damit auch international zu den Ländern mit den allerhöchsten Bildungsausgaben pro Kind. Dabei sind gemäss OECD nicht die Höhe der Ausgaben pro Kindentscheidend, sondern eine gute Bildungspolitik und kluge Ausgabenentscheidungen.
Inzwischen verschlingt die Bildung aber fast einen Drittel des Nettoaufwandsdes Kantons. Zusätzlich frisst die Bildung bei einigen Gemeinden über die Hälfte des Haushalts auf – inzwischen wohl um die vier Milliarden Franken pro Jahr. Hinzu kommen Schulhäuser und weitere kommunale Infrastrukturen.
Jetzt soll noch jemand sagen, Zürich investiere zu wenig in die Bildung. Ja, Bildung kostet, und sie darf kosten. Aber wir müssen wissen, was Mehrausgaben bewirken. Ob sie die Schule wirklich entlasten. Gerade beim neuen Lehrpersonalgesetz ist das nicht erkennbar. Es wird sich letztlich als verdeckte Lohnmassnahmeentpuppen. Natürlich brauchen Lehrpersonen genügend Zeit für Unterrichtsvorbereitung, Elterngespräche und Klassenführung. Aber die entscheidende Frage ist: Schaffen wir mit diesen zusätzlichen 83 Millionen tatsächlich mehr Zeit für guten Unterricht – oder decken wir einfach Probleme mit Geld zu? Deshalb empfehlen wir für die Abstimmung am 27. September ein Nein zum neuen Lehrpersonalgesetz. Wir wollen, dass mehr von jedem Bildungsfranken bei den Schülerinnen und Schülern ankommt. Inzwischen wissen wir übrigens: Diese 83 Millionen pro Jahr sind im Budget und KEF 2027–2030 noch gar nicht eingerechnet.
Leider ist das sinkende PISA-Niveau nicht mal der bedenklichste Befund!Genau so bedenklich ist, dass die Schere auseinandergegangen ist.
Kein bildungspolitischer Vorstoss von links, der ohne den Begriff «Chancengerechtigkeit» auskommt. Und nun verrät uns PISA: All die Reformen haben viel gekostet, aber bestenfalls nichts genützt. Die Chancengerechtigkeit hat abgenommen. Die Starken wurden nicht stärker, die Schwachen wurden schwächer.
Uns überrascht das wenig. Wir haben immer vor einer drohenden Nivellierung nach unten gewarnt. Denn die Schwachen werden nun mal nicht stärker, wenn die Starken schwächer werden. Bevorteilte Kinder können wohl mit einem unruhigen, schulisch integrierten Schulzimmer, innovativen Lernlandschaften oder unbenoteten Lernzielkontrollen knapp umgehen. Benachteiligte Kinder dagegen verwahrlosen.
Besonders in der Mathematik hat sich die Leistungsdifferenz zwischen sozial privilegierten und benachteiligten Jugendlichen vergrössert. Da beträgt der Effekt einer privilegierten sozialen Herkunft 41 Punkte, der einer anderen zu Hause gesprochenen Sprache 28 Punkte. Genau deshalb müssen wir auch bei der Sprache genauer hinschauen. Es kann nicht Aufgabe einer Regelklasse sein, zunächst grundlegende Sprachdefizite aufzuarbeiten, bevor der eigentliche Unterricht stattfinden kann. Vermehrte Aufnahmeklassen und eine Verpflichtung zu frühkindlicher Sprachförderung müssen diskutiert werden.
Wenn die Ausgaben steigen, die Zahl der Stellen zunimmt, immer neue pädagogische Konzepte eingeführt werden und gleichzeitig die Leistungen in Lesen und Mathematik sinken, dann haben wir nicht primär ein Finanzierungsproblem. Dann haben wir ein Qualitätsproblem.
Unsere Schule muss wieder einfacher werden und ihren Kernauftrag wieder konsequent ins Zentrum stellen: Deutsch lesen und schreiben, Mathematik. Klare Strukturen, klare Verantwortung und eingeforderte Leistung.
Und zuletzt dies: HarmoS hat die Bildungslandschaft positiv geprägt. Aber jedes Bildungssystem braucht ab und zu retouchen. Das scheint mit einem unveränderten HarmoS nicht mehr möglich zu sein. Dieses Thema wird die nächste Legislatur prägen.
Kontakt:
- Marc Bourgeois, Kantonsrat FDP, 079 219 95 38
- Claudio Zihlmann, Kantonsrat, Fraktionspräsident, 079 765 22 55
- Filippo Leutenegger, Präsident FDP Kanton Zürich, 079 447 99 07